Kunst sammeln ist eine Reise: Erste Schritte zu deiner Kunstsammlung


von Elisabeth Oberndorfer

Alexandra Schafer | Velvenoir | Kunstberaterin

Kunst kann begeistern, Kunst kann beruhigen, Kunst kann verbinden, Kunst kann aufwühlen, Kunst kann so vieles. Die Faszination und Freude Kunst anzusehen, sie wirken zu lassen, zeigt zum Beispiel warum viele gerne in Museen gehen. Wenn es allerdings darum geht Kunst zu kaufen, dann schrecken die meisten von uns davor zurück.


Für viele erweckt die Idee, sammlungswürdige Kunst zu kaufen, Bilder von reichen Intellektuellen, die es sich leisten können Geld, für teure Kunstwerke auszugeben. Geschichten und Schlagzeilen über maßlos überzogene Preise für Kunst, haben dem Kunstmarkt einen Ruf verschafft, der leider viele davon abhält sich überhaupt realistisch vorzustellen selbst in Kunst zu investieren.


Die schwer zu durchschauende, elitäre Welt der Kunst wirkt für Außenstehende wie ein großes Geheimnis. Und viele, die in ihr tätig sind, hätten vielleicht auch gerne, dass es genau so bleibt.

Für diejenigen, die sich lieber mit Kunst umgeben möchten, statt gerahmte Poster aufzuhängen, werfen sich allerdings viele Fragen auf: Welche Künstler*innen sollte man sammeln? Von wem kaufe ich am besten? Welcher Preis ist für die Werke angemessen? Warum sollte man überhaupt Kunst sammeln?


Als Quereinsteigerin und leidenschaftliche Kunstliebhaberin gründete Alexandra Schafer 2014 ihre Kunstberatungsfirma VELVENOIR. Für Hotels, Unternehmen, aber auch Privatpersonen sucht sie nach passenden Künstler*innen und Kunstwerken und will damit Kunst zugänglicher machen. Im Interview mit MyGiulia erklärt Alexandra, wie man sich am Kunstmarkt zurechtfindet und die Reise zur eigenen Kunstsammlung beginnt.


Mit Velvenoir betreibst du seit einigen Jahren eine Kunstberatung. Wie bist du

selbst in die Kunstbranche eingestiegen?


Als Quereinsteigerin entschied ich mich 2014 meine private Leidenschaft für zeitgenössische Kunst, internationale und indigene Künstler*innen sowie Galerien zu meinem Beruf zu machen. Eigentlich habe ich Hotel- und Golfmanagement an der Tourismusschule Klessheim studiert. Über die Jahre lebte ich in Wien, London und Sydney. Dort durfte ich in verschiedenen Funktionen tätig sein und erhielt dabei sehr vielseitige Einblicke in die Bereiche Markenentwicklung, Eventmanagement, Hospitality sowie PR.


In London bin ich erstmals so richtig mit Kunst in Kontakt gekommen. Und als ich nach Australien gezogen bin, hat mich die Kunst der Aborigines so inspiriert, dass ich, als ich zurück in Salzburg war, sozusagen ins kalte Wasser gesprungen bin.


Ich begann mit einer Online Galerie, die unter velvenoir.com lief, gefolgt von einer Galerie am Stadtrand von Salzburg. Nach zwei Jahren des Erforschens - ausgesprochen wichtige Jahre für mich um herauszufinden wie ich die Kunst am persönlichsten meinen Sammler*innen, und jenen die es noch werden möchten, näher bringen könnte - entstand letzten Endes meine internationale und unabhängige Kunstberatung VELVENOIR.



Wie hast du als Quereinsteigerin den Weg in die Branche gefunden? Und wie

hast du dir das Wissen über Kunst aufgebaut?


Natürlich fragen einen die Kund*innen oder Kolleg*innen aus der Branche ob man Kunstgeschichte studierte. Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich einen etwas anders gewählten Background habe und trotzdem meinen Weg in der Branche fand. Über die letzten Jahre habe ich sehr viel probiert, Kontakte geknüpft und immer wieder unsere Dienstleistung sowie die Präsentation von Kunst verbessert. Ein wichtiger Teil, war es, Kunstmessen zu besuchen. Art Basel Miami, war meine erste Messe gefolgt von Frieze London, PAD, Photo Paris, Viennacontemporary, Miart usw. Genau dadurch lernte ich am meisten, was mir gefällt, was tatsächlich verkauft wurde und welche Künstler gerade "hot on the market" sind. Ich habe auch sehr viel gelesen und mir viel Wissen angeeignet, viel recherchiert. Ich habe mir da sehr viel selbst beibringen müssen.


Das Selbstlernen ist so viel wert im Leben finde ich.

Ich habe vor allem gelernt, dass alles seine Zeit braucht und es war ehrlich gesagt auch nicht immer leicht, den die ersten drei Jahre waren richtig hart. Ein Kunde hat mir einmal gesagt: Richtig erfolgreich wirst du nach dem siebten Jahr – und so war es dann auch bei uns.


Was heißt das für Menschen, die am Anfang stehen, noch wenig Wissen haben

und sich für Kunstsammeln interessieren. Was sind da die ersten Schritte, die

man machen sollte?


Als erstes einmal würde ich empfehlen, regelmäßig in Galerien und Museen zu gehen, um so seinen Geschmack zu entdecken. Auch auf Reisen kann man das wunderbar machen. Dadurch lernt man unterschiedliche Künstler*innen kennen, die dir gefallen können.


Dann sollte man damit beginnen Kunstmessen besuchen, die wichtigsten hier wären: Art Basel, Frieze, Armory NY, Miart, Artimissima, weil man hier den Markt besser verstehen lernt.

Man kann sich auch online über Kunst via diverser Plattformen erkundigen. Wichtig ist wirklich, dass man sich mit dem Werk identifizieren kann, sowie mit den Künstler*Innen und dessen/deren Statement.



Wenn ich herausgefunden habe, was mir gefällt und was ich möchte, was ist dann der nächste Schritt? Mit welchen Fragen gehe ich in eine Galerie?

Bevor du in eine Galerie gehst, solltest du dein Budget wissen und eventuell schon auch Künstler*innen oder Arbeiten von Künstler*innen, die dich inspirieren, kennen. Wenn man anfangen möchte und zum Beispiel mit 500 bis 1000 Euro dafür investieren, dann bekommt man dafür zum Beispiel schon Arbeiten auf Papier Galeristen können dir mehr über die Künstler und Werke erzählen, es ist aber auch wichtig, dass das auf Augenhöhe passiert. Stelle auf jeden Fall Fragen, die dich interessieren und für dich wichtig sind. Sollte eine Arbeit über deinem Budget liegen, dann frage nach kleineren Werken.


Wie komme ich denn von meinem ersten gekauften Werk zu einer Kunstsammlung? Soll man sich schon vorm ersten Kauf Gedanken machen, wie umfangreich die eigene Sammlung werden soll?


Die meisten Sammler, die jetzt große Sammlungen haben, haben das aus Leidenschaft gemacht. Die haben einfach begonnen. Es ist eine Reise, auf die man sich begibt.


Am Anfang weiß man noch gar nicht, was man will und wo diese Reise hingeht, und man sollte sich dadurch auch nicht einschränken lassen, sondern offen bleiben.

Wenn du Achtzig bist, wirst du dann zurückblicken und dir denken, wow wie spannend und gleichzeitig erinnerst du dich an unzählige Momente und Abenteuer. Natürlich kann es auch passieren, dass man sich bei manchen Werken fragt, was habe ich mir nur dabei gedacht. (lacht)


Natürlich macht es ab einem gewissen Punkt Sinn, sich einen Kunstberater*in zu holen, besonders wenn man die Sammlung als Anlage sieht. Kunstberater*innen kennen sich am internationalen Kunstmarkt aus, schlagen dir Werke vor, die in deinem Sinne sowie vorgesehenen Budget sind.


Ist Kunst eine Geldanlage – oder doch eher eine Leidenschaft?


Ja und nein. Manche Künstler*Innen und Arbeiten sind sehr gefragt, also die Nachfrage ist sehr groß wie zum Beispiel Annie Morris und ihre Skulpturen. Trotzdem gibt es auch junge aufstrebende Künslter*innen, die sich gerade erst am Kunstmarkt etablieren. Man braucht generell ein gutes Gespür dafür, um immer am Puls des Kunstmarktes zu sein.


Am Ende des Tages ist es einem Investment gleichzusetzen und wenn du ein Werk verkaufen willst, ist das auch ein entsprechender Prozess.

Würdest du also Anfänger*innen dazu raten, sich von Experte*innen beraten zu lassen?


Ja, das ist eine sehr gute Option, denn der Markt ist so umfangreich und Kunstberater können durch ihr Wissen da einen sehr guten Überblick geben und anhand deiner Wünsche und deines Budgets eine Auswahl treffen, die dich anspricht.


Wir zum Beispiel sehen uns auch oft die Räumlichkeiten an, entnehmen Maße und planen sowie rendern die vorgeschlagenen Werke samt Rahmung für unsere Sammler*innen. Wir haben oft genug erlebt, dass sich Kund*innen überfordert fühlen. Zum Beispiel fragen sie sich wie das neue Werk, das gerade in der Galerie in New York ausgestellt ist, wohl in den eigenen Räumlichkeiten wirken wird. Es liegt uns deshalb sehr am Herzen, dass sie vorab schon ein Gefühl dafür entwickeln können.



Warum ist der Kunstmarkt gerade für Einsteiger*innen so überfordernd?


Das liegt zum Teil daran, dass Instagram so groß geworden ist. Künstler*innen können sich dadurch auch ohne Galerie vermarkten. Das macht es für die Künstler*innen zum einen einfacher, aber zum anderen auch schwieriger, gefunden zu werden. Die Künstler*innen, die sich nicht gerne selbst vermarkten, bleiben unentdeckt im Gegensatz zu jenen, die sich gut inszenieren und selbst vermarkten. Richtig tiefgründige Kunst rückt dabei oft in den Hintergrund. Es gibt aktuell keine Formel, theoretisch könnte man jede Woche auf eine Messe gehen und sich tausende Künstler*innen und deren Werke ansehen. Man sollte dennoch Kunstsammeln als eine Reise sehen.


Apropos Instagram, wie stehst du zu digitaler Kunst und Trends wie NFTs?


Was NFT´s angeht, beraten wir unsere Sammler diesbezüglich gar nicht. Für mich ist das nicht, was Kunst eigentlich ist: Ein digitales Werk kann ich nicht spüren, da gibt es für mich kein tiefgründiges Gefühl, wenn ich die Arbeit betrachte, die Textur mir ansehe, die Pinselstriche oder die Marmor Skulptur zum Angreifen. In unserer gesamten Beratung unterstützen wir unsere Sammler*innen sehr „digital“ sprich wir bereiten private Viewing Rooms vor, schicken Videos von dem Werk aus der Galerie und / oder dem Künstleratelier, erstellen Renderings oder Mock-ups, um bestmöglich die Arbeiten der Künstler*innen unseren Sammlern sowie aktuellen Projekten näher zu bringen.


Du arbeitest mit privaten Sammler*innen und Geschäftskunden, aber berätst du

auch Anfänger*innen mit kleinen Budgets?


Alles was wir machen ist maßgeschneidert. Bei nur einem Kunstwerk ist es vielleicht nicht unbedingt notwendig, aber wir schauen uns jede Anfrage gerne an und melden uns dann auch für ein Erstgespräch. In diesem Gespräch würden wir auch dann der Person Bescheid geben, ob es Sinn macht uns zu engagieren oder nicht. Ich kann nur sagen, wer anfangen möchte, sollte einfach damit starten, auf sein Gefühl hören und so viel zeitgenössische Kunst weltweit sehen wie möglich.



 


Im Gespräch mit


Alexandra Schafer blickt auf über 15 Jahre in der Hospitality- und Event-/Marketingbranche zurück. Als Quereinsteigerin entschied sie sich 2014 ihre Leidenschaft, die Arbeit mit zeitgenössischer Kunst, internationalen und indigenen Künstler*innen sowie Galerien zu ihrem Beruf zu machen. Das Reisen und der Kontakt zu den unterschiedlichsten Kulturen prägen ihre gesamte Herangehensweise und ihre einzigartige Fähigkeit, die Wünsche eines jeden Kunden in eine maßgeschneiderte Kunstsammlung zu übersetzen, die sie und ihr internationales Team vorschlagen. Alexandra absolvierte ihr Diplom in Hotel- und Golfmanagement an der Tourismusschule Klessheim. Sie lebte in Wien, London und Sydney, wo sie in verschiedenen Funktionen tätig war und vielseitige Einblicke in die Bereiche Markenentwicklung, Eventmanagement sowie PR gewonnen hat.


Im Laufe der Jahre arbeitete sie im Auftrag für Firmen wie UBM Development AG, Merivale,

ALLCO AG, HSBC, kooperierte mit internationalen Innenarchitekten*innen sowie Family Offices und begleitet private Kunden, weltweit.


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