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Beat mit Haltung - Dominique Jardin

vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Die internationale DJane Dominique Jardin über den Mut, den eigenen Rhythmus vorzugeben.


DJ Dominique Jardin
DJ Dominique Jardin | Foto: Selina Jakob

Der internationale DJ-Kosmos ist ein anspruchsvolles Terrain. Er verlangt weit mehr als musikalisches Gespür und ein intuitives Verständnis für den richtigen Sound: Disziplin und die Bereitschaft, das eigene Leben einem Rhythmus zu unterwerfen, der nicht dem der restlichen Welt entspricht. Dazu zählen unter anderem lange Flugstunden, wechselnde Zeitzonen, schlaflose Nächte und die intensive Energie am Dancefloor. Hinzu kommt eine Branche, deren einflussreichste Bühnen und Line-ups über Jahrzehnte vorwiegend männlich besetzt waren. 


Immer mehr Frauen setzen mittlerweile die elektronische Musikszene in Bewegung. Sie prägen ihre Ästhetik und definieren ihren Sound. Besonders interessant zu beobachten ist dabei, dass diese DJanes mit einer unverwechselbaren Handschrift und mit ihrem ganz eigenen Zugang nun jene Dancefloors erobern. Eine von ihnen ist die Österreicherin Dominique Jardin.


Wer Dominique begegnet, erlebt einen spannenden Kontrast: In der zierlichen jungen Frau steckt ein regelrechtes Kraftwerk. Ihr präzise geschnittener, ashblonder Bob rahmt ein offenes, sympathisches Lachen, das von einer ansteckenden Leichtigkeit zeugt. Auch musikalisch beherrscht sie dieses Spiel mit den Gegensätzen: Musikalisch bewegt sie sich souverän zwischen treibendem Tech House und Indie Dance, zwischen Mainstage Euphorie und Underground Clubkultur (so beschreibt sie ihren Stil selbst). Dabei gelingt ihr eine besondere Balance – Dominiques Beats sind zugänglich, aber niemals vorhersehbar. Wer ihr Künstlerinnen Profil liest, erkennt eine internationale Künstlerin mit klarem Kompass und bemerkenswerter Zielstrebigkeit. Sie hat sich ihren Platz auf internationalen Bühnen erspielt. Das zeigen nicht nur die fast 8 Million Streams auf Plattformen wie Spotify, Dominique stand bereits im Line-up mit Größen wie David Guetta und Calvin Harris. Support erhält sie unter anderem von Meduza, Benny Benassi, Maxi Meraki und Tiësto.



Dominique Jardin beim Electric Love Festival in Salzburg
Dominique Jardin beim Electric Love Festival in Salzburg | Foto: Lukas Corradini

Doch Dominique denkt längst über den nächsten Auftritt hinaus. Mit BON VOYAGE! hat sie 2025 eine eigene Plattform ins Leben gerufen, die Label und Eventkonzept miteinander verbindet. Statt austauschbarer Clubnächte kuratiert sie an sorgfältig ausgewählten Destinationen rund um den Globus intime musikalische Erlebnisse – bewusst limitiert, atmosphärisch verdichtet und geprägt von der Idee, Menschen über Musik zusammenzubringen. BON VOYAGE! ist damit auch Ausdruck einer größeren Vision: nicht nur Teil einer Szene zu sein, sondern sie aktiv mitzugestalten.

Bei aller Ambition geht es Dominique jedoch um mehr als musikalische Reichweite und internationale Anerkennung. Es geht um Haltung. Um Sisterhood statt Konkurrenzdenken, um gegenseitige Ermutigung und darum, Frauen nicht nur einen Platz am Podium zuzugestehen, sondern ihn gemeinsam zu gestalten. 


Wir haben mit Dominique Jardin über die Mechanismen einer männerdominierten Branche, die besondere Magie gemeinsamer Momente auf dem Dancefloor, weibliche Solidarität und die Freiheit gesprochen, den eigenen Weg zu gehen – unbeirrt vom Takt der anderen.


“Menschen lassen los, verbinden sich durch Musik und genießen gemeinsam den Moment. “


Dominique Jardin
Dominique Jardin | Foto: Selina Jakob


Wenn du dir etwas für die Zukunft von Frauen wünschen könntest – gesellschaftlich, persönlich und im Miteinander –, was wäre das?


Ich wünsche mir, dass Frauen einfach ihren eigenen Weg gehen können, ohne sich ständig beweisen oder rechtfertigen zu müssen. Gerade in meinem Beruf habe ich gelernt, wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben und sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen. Ich wünsche mir eine Zukunft, in der Frauen groß träumen, mutig sein und erfolgreich sein können, ohne dafür anders beurteilt zu werden als Männer. Und dass wir uns dabei gegenseitig den Rücken stärken.


Welche Bedeutung hat weiblicher Zusammenhalt in deinem Leben?


Sisterhood bedeutet für mich, sich gegenseitig zu unterstützen, zu inspirieren und Erfolge miteinander zu feiern, statt sich als Konkurrenz zu sehen. Gerade in der männerdominierten Musikbranche ist weiblicher Zusammenhalt besonders wichtig. Ich glaube daran, dass wir gemeinsam stärker sind und viel mehr erreichen können, wenn wir uns gegenseitig Türen öffnen.


Du stehst als DJane hinter den Decks und beobachtest die Menschen auf dem Dancefloor. Was fällt dir dabei über Menschen auf, wenn sie tanzen, loslassen und ganz im Moment sind? Was beobachtest du im Miteinander?


Auf dem Dancefloor verschwinden für einen Moment alle Unterschiede. Es spielt keine Rolle, woher jemand kommt, wie man aussieht oder welchen Job man hat. Menschen lassen los, verbinden sich durch Musik und genießen gemeinsam den Moment. Genau das liebe ich an meinem Beruf: Musik bringt Menschen zusammen, ganz ohne Worte.



“Ich finde, wer eine Stimme hat, sollte sie auch für wichtige Themen nutzen.”



Dominique Jardin an den Turntables | Foto: Lukas Corradini




Gibt es einen Moment hinter den Decks, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist, weil du gespürt hast, dass gerade etwas ganz Besonderes zwischen den Menschen passiert?


Es gibt diese besonderen Momente, wenn plötzlich tausende Menschen gleichzeitig die Hände heben, sich in den Armen liegen und gemeinsam zur Musik feiern. In solchen Augenblicken spürt man eine unglaubliche Energie und Verbundenheit. Für mich ist das jedes Mal Gänsehaut und die schönste Bestätigung dafür, warum ich diesen Beruf liebe.


Wann fühlst du dich am meisten mit dir selbst verbunden? Was bringt dich zum Tanzen, auch wenn niemand zuschaut?


Am meisten bin ich bei mir selbst, wenn ich Musik höre und alles um mich herum kurz vergesse. Das muss nicht auf einer großen Bühne sein, manchmal reicht schon ein guter Song zu Hause in meinem Tonstudio. Ich tanze tatsächlich auch ganz gerne alleine, völlig unperfekt und ohne darüber nachzudenken, wie es aussieht. Genau das ist für mich Freiheit.


Dominique Jardin RISE!
Dominique fotografiert von Iris und Erik Diewald Hagen für die Kampagne von RISE! Orange the night


Du legst am 28. November in der Hofburg als Zeichen “Gegen Gewalt an Frauen” auf. 1000 Frauen sollen gemeinsam in diesem historischen Raum zu deinen Beats tanzen. Was hat dich dazu bewegt, RISE! ORANGE THE NIGHT und UN Women Austria zu unterstützen? 


Ich finde, wer eine Stimme hat, sollte sie auch für wichtige Themen nutzen. Gewalt gegen Frauen ist etwas, bei dem wir nicht wegsehen oder schweigen dürfen. Als Frau in der Musikbranche weiß ich, wie wichtig es ist, für sich selbst einzustehen. Mit meiner Performance bei RISE! am 28. November möchte ich ein Zeichen für Zusammenhalt, Respekt und Selbstbestimmung setzen. Und wenn ich mit meiner Musik und meiner Reichweite auch nur ein bisschen etwas bewegen kann, dann bedeutet mir das unglaublich viel.




 
 

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