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Buchclub: Empathie als Widerstand

  • vor 22 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Wie gehen wir mit einer Welt um, die oft ungerecht erscheint? In der Diskriminierung, Ungleichheit und Unsicherheit für viele zum Alltag gehören? Vier feministische Bücher zum Thema „Empathie als Widerstand“ werden vom MQ Female Empowerment Buchclub von Lilian Klebow und Teresa Vogl hier vorgestellt. Vier sehr unterschiedliche Titel, ein verbindendes Thema: Empathie – als Kraft, als Herausforderung und vielleicht auch als Form von Widerstand?


Teresa Vogl und Lilian Klebow FEB Buchclub MQ Wien
Teresa Vogl und Lilian Klebow am 7. März 2026 in der Libelle des MQ Wien | Copyright:Katharina Schiffl


Christina Lunz »Empathie und Widerstand« (ullstein)


Kristina Lunz Empathie und Widerstand Buchcover

Empathie als politischer Akt


Mit "Empathie und Widerstand" liefert Christina Lunz einen Denkanstoß, der im Buchclub für intensive – und durchaus kontroverse – Gespräche gesorgt hat.

Ausgangspunkt ist eine große, fast überfordernde Frage: Wie bewegt man sich in einer Welt, in der Ungerechtigkeit und Diskriminierung für viele zur Normalität gehören – während gleichzeitig ein Großteil der Menschen damit beschäftigt ist, die eigenen Grundbedürfnisse zu sichern?


Lunz gibt darauf keine einfache Antwort, sondern eine Haltung: Empathie. Nicht als weiches Gefühl, sondern als aktive Kraft. Als Fähigkeit, die uns nicht nur sensibel für die Lebensrealitäten anderer macht, sondern uns auch in die Lage versetzt, Widerstand zu leisten.

Dabei bleibt sie bewusst realistisch. Sie liefert kein allumfassendes Konzept zur Überwindung struktureller Diskriminierung – aber einen sehr konkreten Zugang für den Alltag: im Beruf, im Ehrenamt, im eigenen Umfeld Position zu beziehen. Schritt für Schritt.

Ein besonders zentraler Gedanke, den Teresa hervorgehoben hat, findet sich im Kapitel über Widerstand: Gesellschaftlicher Wandel darf nicht ausschließlich von denjenigen getragen werden, die selbst betroffen sind. Der Einsatz für Gerechtigkeit muss breiter gedacht werden – auch als Verantwortung derjenigen, die nicht unmittelbar benachteiligt sind.

Ein Gedanke, der herausfordert – und Diskussionen öffnet.


„Ich finde das Buch wichtig, aber auch kontrovers. Es löst Diskussionen aus – und genau dieser Widerstand in der Meinungsbildung ist Teil von Selbstermächtigung.“ Teresa Vogl


Und genau hier wurde es im Buchclub besonders spannend: Es ging nicht nur um Zustimmung, sondern um Reibung, um Perspektiven, um das Ringen mit der eigenen Haltung.

Lilian hat diesen Gedanken noch weitergeführt:


„Wir leben in einer Zeit, in der die, die wirklich etwas zu sagen hätten, immer leiser werden – und die Lauten immer mehr Raum einnehmen. Daher ist es so wichtig, die eigene Stimme zu erheben, zu diskutieren, abzuwägen und sich eine eigene Meinung zu bilden.“


Vielleicht ist genau das die Stärke dieses Buches: Es gibt keine einfachen Antworten – aber es bringt uns dazu, uns selbst zu positionieren.

 


Sina Haghiri »Mit Nachsicht« (Kösel)


Sina Haghiri Mit Nachsicht Buchcover

Warum wir oft misstrauen – und wie wir es ändern können


Einen ganz anderen Zugang wählt "Mit Nachsicht" von Sina Haghiri.

Analytisch, verständlich und überraschend leicht zugänglich verbindet er Psychologie, Evolutionsbiologie und gesellschaftliche Beobachtungen.


Warum neigen wir zu Misstrauen? Warum prägen negative Eindrücke unser Weltbild stärker als positive?

Haghiri zeigt: Unser Gehirn ist nicht „neutral“, sondern evolutionär darauf programmiert, Gefahren stärker zu gewichten. Das erklärt vieles – von medialen Dynamiken bis hin zu zwischenmenschlichen Konflikten.


Besonders spannend fanden Teresa und Lilian: seine Fähigkeit, komplexe psychologische Experimente greifbar zu machen und gleichzeitig kritisch einzuordnen. Dazu kommen ganz praktische Impulse für den Alltag – etwa im Umgang mit Medien oder vorschnellen Urteilen.

Ein Buch, das leise daherkommt, aber nachhaltig wirkt.



Sarah Welk »Frei - Bester Sommer« S.Fischer


Sarah Welk Frei Bester Sommer Adichie

Perspektivenwechsel – und warum dieses Buch auch für Mütter so wertvoll ist


Mit FREI – Bester Sommer von Sarah Welk kam eine Empfehlung in den Buchclub, die auf den ersten Blick vielleicht überrascht hat – ein Jugendbuch.

Und doch steckt gerade hier unglaublich viel drin.

Schon die Autorin selbst bringt eine spannende Lebensgeschichte mit: Nach dem Abitur arbeitete sie unter anderem als Supermarktkassiererin, Spülhilfe, Werbekauffrau, Kindermädchen und Garderobiere, bevor sie viele Jahre als Redakteurin bei der ARD-Tagesschau tätig war. Heute lebt sie mit ihrem Mann, zwei Kindern und drei Hühnern an der Nordsee und schreibt Bücher – vielleicht auch deshalb mit so viel Gefühl für unterschiedliche Lebensrealitäten.


Die Geschichte rund um Joshua, einen Teenager, der mit seiner Familie von Hamburg in eine Kleinstadt zieht, entwickelt schnell einen ganz eigenen Sog. Der Einstieg ist herrlich unangenehm: Bei einem Schulausflug wird ausgerechnet ein Kunstwerk seiner Mutter ausgestellt – inklusive sehr persönlicher Details. Peinlichkeitsfaktor: maximal.

Und genau das macht das Buch so zugänglich – es ist humorvoll, ehrlich und voller kleiner, sehr wahrer Momente.


Teresa sagt: „Was ich besonders erfrischend fand, ist die Liebesgeschichte – sie zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht und weckt Erinnerungen an die erste Liebe.“


Doch der eigentliche Mehrwert zeigt sich auf einer anderen Ebene – gerade für Mütter:

Dieses Buch ermöglicht einen Perspektivwechsel. Es erinnert daran, wie sich das eigene Leben als Teenager angefühlt hat: die Intensität von Emotionen, die Unsicherheiten, das ständige Austesten von Grenzen. Dinge, die aus Erwachsenensicht oft „klein“ wirken, bekommen wieder ihre ursprüngliche Größe.

Darin liegt etwas unglaublich Wertvolles. Es hilft, die eigene Lebensrealität von heranwachsenden Kindern besser zu verstehen – ihre Sorgen ernster zu nehmen, ihre Welt nicht vorschnell zu relativieren und vielleicht auch gelassener mit Konflikten umzugehen.


„Das Buch ist fast wie eine kleine Therapie – es hilft, sich mit heranwachsenden Kindern besser zu arrangieren und sie besser zu verstehen.“ Teresa Vogl


Gleichzeitig ist es einfach ein Pageturner – spannend, leicht zu lesen und voller Gefühl. Ein Buch über Freundschaft, Abenteuer und erste Liebe. Und darüber, wie prägend diese Zeit eigentlich ist.



Jacinda Ardern »E Different Kind of Power« (Haymon)


Jacinda Ardern A different kind of power Buchcover

Eine andere Art von Macht

Mit "A Different Kind of Power" gibt Jacinda Ardern einen Einblick, der viele im Buchclub überrascht – und berührt – hat.


Schon beim ersten Eindruck: ein umfangreiches Buch. Fast 500 Seiten. Und doch eines, in das man schnell „hineinkippt“. Allein der Titel ist bemerkenswert – und bewusst nicht übersetzt. Denn „A different kind of power“ lässt sich schwer greifen: Es geht nicht nur um Macht im klassischen Sinne, sondern auch um Stärke, Haltung und vielleicht sogar um etwas Sanftes, „Kind“-haftes im Sinne von wohlwollend. Und genau das spiegelt sich im Buch wider.


Viele kannten Jacinda Ardern vor allem aus der Öffentlichkeit: als jüngste Premierministerin, als Mutter im Amt, als politische Ausnahmeerscheinung. Doch das Buch zeigt eine andere Seite – eine persönliche.


Lilian hat besonders ein Gedanke beeindruckt:

„Wir neigen dazu zu glauben, dass die Mutigen einfach keine Zweifel haben – vor allem bei Menschen, zu denen wir aufschauen. Aber das stimmt nicht.“


Ardern schreibt offen über Unsicherheiten, über Selbstzweifel, über emotionale Belastung. Und genau das macht sie so nahbar. Besonders eindrücklich sind auch die Schilderungen ihrer Kindheit: Ein Vater, der als Polizeiinspektor in einer kleinen Gemeinde arbeitet – und damit ständig in einem Spannungsfeld zwischen Beruf und sozialem Umfeld steht. Eine Mutter, die ihre Kinder über alles liebt und gleichzeitig mit Panikattacken kämpft. Diese persönlichen Einblicke sind so fein und einfühlsam beschrieben, dass man fast das Gefühl bekommt, Teil ihres Lebens zu sein.

Auch ihre politische Karriere bekommt dadurch eine neue Tiefe: ihr einfühlsamer Umgang mit Krisen, ihre progressive Politik, ihr Einsatz für soziale Themen.


Und schließlich ihr Rücktritt. Ein Moment, der im Buchclub besonders nachgehallt hat. Denn er wirft eine unbequeme, aber wichtige Frage auf: Kann man empathisch führen – und gleichzeitig bestehen? Oder anders gefragt: Ist Empathie in Machtpositionen eine Stärke – oder wird sie als Schwäche ausgelegt? Sind es am Ende die „Harten“, die bestehen – oder braucht es gerade eine neue Definition von Stärke?



Was bleibt


Dieser Buchclub hat keine fertigen Antworten geliefert – aber viele Denkanstöße.


  • Wie viel Empathie braucht Veränderung?

  • Wer trägt Verantwortung für gesellschaftlichen Wandel?

  • Und wie definieren wir eigentlich Stärke?


Vielleicht liegt genau darin die Kraft dieser Buchauswahl: Sie fordert uns heraus – nicht nur mitzudenken, sondern Haltung zu entwickeln. Empathie ist der Anfang von Widerstand.





MQ Female Empowerment Buchclub



Lilian Klebow und Teresa Vogl gemeinsam mit Kommunikationsprofi Liane Seitz inspirieren seit ungefähr zwei Jahren den weiblichen Intellekt mit ihrem eigenen Buchclub: Der MQ Female Empowerment Buchclub. In einer unterhaltsamen Doppelkonferenz stellen die beiden live eine Auswahl ihrer persönlichen Lieblingsbücher vor und nehmen Neuerscheinungen unter die Lupe.



Lilian Klebow
Lilian Klebow: Foto Bernd Brudert

Lilian Klebow ist Schauspielerin, TV-Liebling, Moderatorin, Aktivistin und Feministin. Sie wurde einem breiten Publikum durch ihre Rollen in den TV-Erfolgen Stadt, Land, Mord und SOKO Donau/SOKO Wien bekannt. Nach ihrer Schauspiel- und Musicalausbildung in Wien feierte sie ihr Debüt im Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Seither war sie in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen sowie auf Theaterbühnen zu sehen. Darüber hinaus ist sie als Sprecherin und Sängerin mit eigenen Musikprogrammen aktiv. Lilian Klebow engagiert sich auch sozial: Für das Jane Goodall Institut fungiert sie als Ehrenbotschafterin und hatte diese Rolle auch für die im Jahr 2020 verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams inne. Bereits seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie überzeugte Umweltaktivistin.



Teresa Vogl
Teresa Vogl | Copyright: Helena Wimmer

Teresa Vogl studierte Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaft in Wien und

Paris. Sie erhielt Gesangs-, Moderations- und Schauspielunterricht und ist heute als

Moderatorin und Schauspielerin tätig. Für ORF Radio Ö1 gestaltet und moderiert sie

die Sendung Pasticcio. Seit 2016 arbeitet Teresa Vogl als Redakteurin und Moderatorin in der TV-Kultur des ORF. Dort präsentiert sie regelmäßig Sendereihen wie die matinee, Wechselspiele oder Kultur aus der Vogl-Perspektive sowie Höhepunkte des österreichischen Kulturlebens – darunter das Neujahrskonzert und das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker, die Übertragungen von den Bregenzer und Salzburger Festspielen sowie den Opernball. Auch abseits der Kamera moderiert sie kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Galas, Preisverleihungen und Künstlergespräche.



Liane Seitz
Liane Seitz | Copyright: Martina Berger

Liane Seitz baut als langjährige Journalistin Kommunikationsbrücken, schöpft kreative Spielräume aus und verschiebt als Visionärin die Grenzen des Gesehenen. Mit einem gut ausgebauten Netzwerk und langjährigen Kontakten zu Schlüsselfiguren der Medienlandschaft, bildet sie Meinungen und platziert Geschichten mit Branchenkenntnis und mit viel Fingerspitzengefühl. Etablierte Marken, ausgewählte Designer*innen und hochkarätige Künstler*innen vertrauen auf ihre Tiefgründigkeit, ihr Talent zum branchenübergreifenden Vernetzen und ihr untrügliches Gespür für effektives Marken-Lobbying. Immer im Blick: die strategische Promotion im Lifestyle-, Luxus- und Kultur-Segment, gezieltes Matchmaking mit herausragenden Entscheidungsträger*innen, sowie internationaler Red Carpet Support. Alles gespickt mit feinem Humor, einer herrlichen Ruhe und der Ermutigung Anderer, selbst die Veränderung zu sein, die sie in der Welt sehen wollen. Haltung, Ethik und Nachhaltigkeit sind dabei Grundvoraussetzung für Liane Seitz und ihr Team.


 
 

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