Lernen ohne Lob

von Lisa Reinisch

Etwas Neues zu lernen gehört wohl zu den grundlegendsten Erfahrungen unseres Lebens. Für Kinder ist lernen eine der Hauptbeschäftigungen, doch je älter wir werden, desto mehr rückt dieser Aspekt in den Hintergrund. Die spielerischen, genüsslichen Verhaltensmuster von damals werden mit der Zeit von Leistungsdruck und Bewertung überschattet. Für viele Erwachsene gehören Wettkampf und Gruppenzwang dann einfach zum Programm – selbst in der Freizeit. Wer schon einmal verkrampft auf der Yogamatte gelegen oder frustriert den Trainingsplatz verlassen hat, weiss worum es hier geht.


Was überraschen mag: Viel von diesem inneren Stress, der uns selbst in unsere vermeintlich entspannenden Auszeiten verfolgt, hängt mit der Sprache zusammen, mit der wir es in Lernsituationen zu tun haben. Denn Lehrer und Lehrerinnen aller Art triggern – oft völlig unbewusst – Stress und Selbstzweifel in uns. Diese Negativität drückt auf den Lernerfolg und schmälert unsere Freude an der Sache.


Viele Trainer und Trainerinnen sind allerdings davon überzeugt, dass Sport nicht Mord sein muss. Sie kultivieren eine positive, wertfreie Sprache, um das Potential ihrer Trainees zur Entfaltung zu bringen. Ganz nebenbei, einfach weil es so gut tut einmal nicht bewertet und unter Druck gesetzt zu werden, kann eine behutsame Wortwahl in Lernsituationen uns nachhaltig positiv prägen und uns auch im Alltag helfen.