Hau(p)tsache von Innen - Das Geheimnis schöner Haut

Von Christine Klimaschka

Die Haut umgibt das Äußere unseres Körpers und steht damit im Mittelpunkt, wenn es um das Thema Schönheit geht. Straff soll sie sein, hydriert, frisch, rosig, glatt, weich, faltenfrei. Sie gesund zu erhalten, bedarf einer guten Pflege. Allerdings ist die Frage, ob wir das wie bisher von außen tun sollen, oder das Geheimnis schöner Haut nicht ganz woanders liegt.



Die Haut ist das größte menschliche Organ. Sie hat wichtige Funktionen, ist Atem-, Stoffwechsel- und Schutzorgan in einem und reguliert den Wärmehaushalt des Körpers. Sie hält unseren Körper zusammen, schützt vor Druck und ist Ausscheidungs- sowie Tastorgan. Im gesunden Zustand schützt uns die Haut vor Krankheitskeimen, Bakterien und Pilzen. Eigentlich ist sie eine absolute Superheldin!


Anstatt allerdings dankbar zu sein für das, was sie täglich für uns leistet, wird sie meist mit Chemikalien überfordert, oft mit Make-up zugekleistert, zu aggressiv gereinigt, zu wenig mit Wasser hydriert und zu intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Ist das nicht irgendwie unfair? Ein gesundes Hautbild ist sehr individuell und sagt viel darüber aus, was wir unserem Körper im Laufe der Jahre zugemutet haben. Da wir die Haut ein Leben lang tragen, wollen wir dann nicht doch lieber gut zu ihr sein?


Die gute Nachricht ist, dies scheint einfacher zu sein als man denkt. Dr. Yael Adler, Dermatologin und Bestsellerautorin des Buches "Hautnah - alles über unser größtes Organ", verrät uns, wie wir durch gesunde Haut mehr Schönheit erlangen.



Ich habe eine liebe Freundin, die ist auch Hautärztin, vor kurzem gefragt: "Hast Du nicht eine Creme gegen Falten, die Du empfehlen kannst?" Da hat sie mich herzlich angelacht und gesagt: “Das kannst Du vergessen, weil die nutzen alle nichts.“ Können Sie uns erzählen, ob es doch etwas gibt, das der Hautalterung entgegenwirkt?


DR. ADLER: Der Körper unterliegt einem Alterungsprozess und den können wir leider, und das ist einfach so, nicht beeinflussen. Ein Drittel ist genetisch bedingt und zwei Drittel sind quasi äußere Umstände: Umweltfaktoren, Lebensstil, Psyche etc. Man kann allerdings auf Prävention setzen. Dabei sollte man versuchen, sich durch möglichst viele gesunde Lebensstilaspekte gesund zu halten und das spiegelt sich dann auch an der Haut wider.

Kosmetische Cremes können nicht in den Körper hinein, weil die Hautbarriere sehr stark ist, das heißt, unsere Haut hält alle unsere Feinde draußen, Chemikalien, Erreger, Allergene und natürlich auch die Anti-Aging Substanzen aus den Cremes. Eine Lotion kann die Haut immer nur für Momente aufplustern, aber nach ein paar Stunden ist das wieder weg geknittert, weil diese Wirkstoffe nicht in die zweite Schicht der Haut gelangen können, wo man sie eigentlich bräuchte. Sprich da, wo die Kollagenfasern und elastischen Fasern und die Hyaluronsäure sind.


Man altert ja nicht nur in der Haut, sondern auch im Bindegewebe, im Fettgewebe in der Muskulatur und den Knochen - es gehört alles zusammen. Daher ist es einfach naiv zu denken, dass wenn man oberflächlich cremt, man die Haut, die zwangsläufig am Körper hängt, verjüngt.

Die wichtigste Sache ist es deswegen tatsächlich über den Lebensstil zu gehen, wobei man auch hier den natürlich Altersprozess nicht stoppen kann. Allerdings kann man viel tun, um die beschleunigte Alterung aufzuhalten, also zum Beispiel: nicht rauchen, starke Sonneneinstrahlung vermeiden, keine Solarien, Verzicht auf regelmäßigen Alkohol, ungesunde Ernährung, auf dem Sofa sitzen bleiben, Feinstaub, Stress und vielleicht auch keine menschlichen Kontakte, die einen quälen, anstatt gut zu tun, denn das sind alles Altersbeschleuniger. Im Umkehrschluss hält Sport und jegliche Form von Bewegung jung, also eine Balance zwischen Ausdauer, Kraft, Koordination. In jedem medizinischen Fachbereich ist die Antwort, die am Ende steht, immer: Sport. Freie Radikale entstehen den ganzen Tag im Körper über Umweltfaktoren und durch unseren eigenen Stoffwechsel. Diese werden durch Sport neutralisiert und oft auch sogar überkompensiert. Das heißt unser Körper setzt diese Radikalfänger vermehrt frei und Schadstoffe werden neutralisiert.


Leider geht es irgendwann nicht mehr nur um den Aufbau, sondern einfach um den Erhalt des Körpers. Hier kommt die Ernährung ins Spiel. Das ist auch eines meiner Steckenpferde. Pflanzenkost ist die Basis der Ernährungspyramide. Wenn man jung bleiben will und gesund, sollte man also viele bunte Pflanzen essen, denn jede Pflanzenfarbe hat einen gesundheitsfördernden Aspekt, wirkt also zum Beispiel antioxidativ und kann das Immunsystem stärken.

Außerdem hemmen hautfärbende Pflanzenstoffe, also Beta-Carotin, die schädliche Sonneneinstrahlung. Wenn sich Beta-Carotin in der Haut ablagert, wenn man jeden Tag ein Glas Möhrensaft mit einem Tropfen Öl trinkt, damit es gut aufgenommen werden kann, färbt das die Haut dezent orange und verlängert den Eigenschutz gegen die Sonne um das Zwei- bis Dreifache, und es hilft zu reparieren, weil es ein Antioxidant ist und man sieht dadurch gleichzeitig attraktiv aus. Studien zeigen, dass man dann anziehender wirkt als künstlich sonnengebräunt, weil dieses Gesundheitssignal quasi mitkommuniziert wird.



Die Gesundheit unserer Haut hängt also stark von der Ernährung ab. Was sind Ihre Top 10 Lebensmittel für eine gesunde Haut?


DR. ADLER: Möhrensaft und Tomatenmark mit Lycopin. Man kann das zwar in Kapseln auch in der Apotheke kaufen, dort ist es allerdings teuer, oder man hat eben das Tomatenmark. Wichtig ist, dass es eben diese konzentrierte und schon quasi aufgebrochene, also erhitzte Form ist, damit das Lycopin für den Körper bioverfügbar wird, auch bei den Möhren als Saft, oder Suppe ist es besonders bioverfügbar. Wenn es nur geknabbert wird, reicht es nicht, da müsste man ein halbes Kilo knabbern und feinst zermalmen. Super ist auch Matcha Pulver Tee, da bekommt man sehr viel Chlorophyll, was auch sehr gut antientzündlich wirkt und dann sind Walnüsse sehr gut, weil da sind viele Mineralien, Ballaststoffe und Vitamine drin, die sind von allen Nüssen tatsächlich die gesündesten. Und es sind 2 Paranüsse pro Tag für die Selenversorgung sehr gut. Man sagt jeden Tag eine Handvoll Nüsse verlängert das Leben quasi um zehn Jahre!

Unpasteurisiertes Sauerkraut oder andere fermentierte Nahrungsmittel, die frisch sind, die also noch lebendige Bakterien enthalten, weil die sehr gut sind für den Darm. Des Weiteren alles, was viele Ballaststoffe enthält und jetzt ist es nicht mehr ein spezielles Nahrungsmittel, sondern eine ganze Gruppe: Topinambur, Pastinake, rote Beete, auch Spargel und bittere Salate, wie Endivie, Chicoree, Raddiccio, Kohl, erkaltete Kartoffeln, Artischocken, weißer Pfirsich, Apfelschale, Melone, Papaya, Erbsen, das sind alles Nahrungsmittel, die lösliche Ballaststoffe enthalten, oder z.B. Akazienfasern in Reinform.


Man weiß jetzt aus der ganz aktuellen Forschung, dass bei einer starken Darmflora nicht nur die Organe gesund sind und die Haut, sondern diese auch ganz stark unseren Alterungsprozess beeinflussen kann. Die Darmbakterien machen viele Sachen für uns, sie bekämpfen z.B. dass Giftstoffe aus dem Nahrungsbrei das Immunsystem reizen und Entzündung bewirken. Sie produzieren für uns Vitamine und setzen auch Stoffwechselprodukte frei, man nennt es das Metabolom. Da sind eben auch Fettsäuren dabei, die z.B. vor Krebs schützen können, oder die mit dem Nervensystem kommunizieren. Die Basis aller Darm stärkenden Maßnahmen sind lösliche Ballaststoffe und besonders gut verträglich sind diese Akazienfasern, das ist quasi der Saft der Akazien. Auch Flohsamenschalen sind sehr ballaststoffreich – halb löslich, halb fasrig (Stuhl formend). Und auf reichlich Eiweißzufuhr achten, es kann natürlich auch pflanzliches Eiweiß sein. Das sind meine tatsächlichen Nahrungsmittel Tipps.