Sallie Krawcheck: Von der Wall Street zum finanziellen Feminismus

von Elisabeth Oberndorfer

Was tut man, wenn man plötzlich Geld hat? Vor dieser Frage stand ich vor einigen Jahren. Es war nicht so, dass ich plötzlich einen Haufen Geld geerbt hatte. Vielmehr kam das Vermögen schleichend, weil ich endlich gut verdient hatte und am Ende des Monats noch Geld übrig war. Da ich in einem Umfeld aufgewachsen bin, in dem das kaum der Fall war, stand ich vor ebendieser Herausforderung, mein Geld sinnvoll einzusetzen und daraus mehr zu machen. Und diese Herausforderung nehme ich unter den Frauen in meinem Umfeld immer mehr war. Wir arbeiten mehr als die Generationen vor uns, wir verdienen mehr, wir sprechen offener als je zuvor – trotzdem ist das Thema Finanzen noch immer ein schwieriges. Was mir geholfen hat, offen darüber zu sprechen und Geld aufregend zu finden, war die Suche nach weiblichen Vorbildern. Eine davon ist Sallie Krawcheck, die in den USA daran arbeitet, das Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen zu schließen. Aber nicht nur deshalb ist ihr beruflicher Werdegang für mich der einer Pionierin.

Sallie Krawcheck Co-founder and CEO of Ellevest speaks onstage during TechCrunch Disrupt NY 2016 at Brooklyn Cruise Terminal in New York City.
Sallie Krawcheck spricht bei TechCrunch Disrupt NY 2016 in New York City. (Photo: Noam Galai/Getty Images)

Als Frau in die Führungsebenen der Wall Street zu kommen, ist eine Seltenheit. Erst einmal, dann ein zweites Mal öffentlich gefeuert zu werden, und dann noch eine Karriere zu haben, noch viel mehr. Sallie Krawcheck nimmt die Tiefen ihres Berufslebens heute gelassen: “Wer kann schon sagen, gleich zwei mal mit einer Kündigung in den Schlagzeilen des Wall Street Journals zu stehen”, scherzt die Investmentbankerin heut