Make-up mit gutem Gewissen - die Naturkosmetik-Revolution

von Christina Kaiser

Wir schreiben das Jahr 2021 und man kann behaupten: Die Beauty-Branche ist im Wandel. Denn lagen bis vor Kurzem sowohl die Mehrheit der Marktanteile, als auch das Prestige bei großen Kosmetikherstellern und Marken, so waren es zuletzt vor allem junge Beauty Start-ups, die das größte Wachstum der Branche verzeichneten. Der Beginn einer Revolution?


Make-up Pinsel Naturkosmetik myGiulia

Dekorative Kosmetik, sprich Make-up, hat einen sehr unterschiedlichen Stellenwert in der Gesellschaft. Für manche soll sie verschönernd wirken, bei anderen das Lebensgefühl steigern, oder sie kann kreativer Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein. Auch, wenn Trends wie der Nude-Look immer populärer werden, oder manche aus Überzeugung ganz auf Make-up verzichten, die Realität ist, dass die Mehrheit aller Frauen sich regelmäßig schminkt und es gibt dabei sehr viele, bei denen der Griff zu Mascara wie der zur Zahnbürste ist.


Lange Zeit war das Kaufkriterium bei Make-up die Leistung, das heißt, Lippenstifte mussten lange halten, Wimperntusche besonderes Volumen schaffen oder Lidschatten durch intensive Farbkraft leuchten. Das wurde der Konsumentin durch millionenschwere Werbebudgets zumindest eingetrichtert. Was vielen dabei nicht bewusst war, ist, dass viele der Stoffe, die wir meist täglich auf unsere Haut auftragen, sehr bedenklich sind. Ein Bericht von Euromonitor fasst die Zukunft der Beauty-Industrie wie folgt zusammen "Die Post-COVID19-Ära wird sich auf das Überleben derjenigen Marken konzentrieren, die die Anpassung an die „neue Normalität“ in der Schönheitsindustrie schaffen. Diese neue Normalität beinhaltet nachhaltige und digital versierte Marken, sowie solche, die erschwingliche, klinisch zertifizierte und wellness-orientierte Lösungen anbieten.


Das war nicht immer so. Viele Konsument*innen haben es nun aber satt, gesagt zu bekommen, wie sie auszusehen haben. Sehr viele Frauen achten immer bewusster auf ihre langfristige Gesundheit, studieren dabei Inhaltslisten und verzichten nach und nach auf chemische Produkte. So ist es nicht verwunderlich, dass die Naturkosmetik es, auch Dank des Biotrends, langsam in die vordersten Regale von Drogerien und Parfümerien geschafft hat und nicht mehr nur im Reformhaus erhältlich ist.


Um Veränderung herbeizuführen braucht es allerdings Visionär*innen, Menschen, die Veränderung wollen und den Mut haben die Zukunft mitzugestalten. Zwei Pionierinnen sind Marketingstrategin Stephanie Dettmann und Make-up Artistin Christina Roth. Sie gründeten 2014 gemeinsam die Naturkosmetikmarke UND GRETEL. Die Unternehmerinnen sind angetreten um zu beweisen, dass edles Make-up mit intensiven Farben und langer Haftbarkeit nicht unbedingt mit umstrittenen Inhaltsstoffen und synthetischen Konservierungsmitteln einhergehen muss.


Wir haben mit Stephanie Dettmann über ihre Sicht auf die Kosmetikbranche gesprochen und wie sie äußere und innere Schönheit in Einklang bringt.


Ihr beschreibt UND GRETEL unter anderem mit den Worten: Good Glam. Könntest du uns das näher erklären?


Good Glam kommt wirklich aus den Anfangstagen, als wir unseren Businessplan geschrieben haben. Denn Good Glam beschreibt einfach was wir machen. Wir sind ja damals angetreten um der Welt zu beweisen, dass dekorative, gesunde Kosmetik (mit zertifiziertem Inhalt) und Performance sich nicht mehr ausschließen müssen. Zeitgemäße dekorative Kosmetik ist das, was wir machen. Früher, wenn es um dekorative Naturkosmetik ging, waren immer so viele Kompromisse da. Es ist gesund, aber es sieht halt schrecklich aus. Früher hat man mit Stolz einen Chanel Lippenstift auf den Tisch gelegt, das würde man mit Dr. Hauschka nicht machen.

Ich war 14 oder 15, da schenkte mir meine Mutter ein Puder von Dr. Hauschka. Ich meinte nur, “Tut mir leid Mami, aber du glaubst doch nicht, dass ich das benutze!” Ich fand es so unsexy und uncool, und es gab keine tollen Farben und es roch komisch. 30 Jahre später steckt das in unseren Köpfen immer noch drinnen. Ich liebe Hauschka, es ist wirklich toll, was sie in der Pflege machen, aber so ein Gloss ist nicht chic.


Wir hingegen sind glamourös, mit tollem Packaging, die Produkte sind sexy, die Farben sind toll und trotzdem ist es etwas Gutes. Wir wollen an das Bewusstsein appellieren: “Schau mal hin, was du dir da zuführst in Verbindung mit einer Wertschätzung für dich selber. Sei es dir wert, dass du nur die besten Inhaltsstoffe an deine Haut lässt.”


Ich habe früher immer gesagt: “Chanel in grün.” - man muss ja groß denken.

Bei dekorativer Kosmetik ging es schon immer um Performance. Es muss schön sein, es muss halten und dafür war man bereit in Kauf zu nehmen, dass es nicht so gesund ist.

Über 3,5 Kilo (850 Lippenstifte) essen wir durchschnittlich in unserem Leben! Als ich mein zweites Kind bekommen habe, hatte ich in einem Interview gesagt: “Mit UND GRETEL kann man seine Kinder ohne schlechtes Gewissen küssen.” Weil alles, was wir über die Haut aufnehmen, geht direkt in unseren Organismus. Ob es junge Mädchen sind, die gerade anfangen sich zu schminken, ob es Schwangere oder junge Mütter sind. Achtet darauf, dass ihr gute Inhaltsstoffe aufträgt! Wir klären hier auf mit dem Spruch: No bad stuff.




Es scheint in der Kosmetikindustrie ein Umbruch stattzufinden, Richtung Nachhaltigkeit. Zum Zweck des Marketings und der Erweiterung des Produktsortiments schmücken sich allerdings Unternehmen auch mal einfach gerne mit trendigen Buzzwords. Wie ernst können wir das nehmen und wie hat sich in deinen Augen die Branche verändert?


Um deine Frage zu beantworten, ob das nur ein Trend ist, sollte man am besten den Food Bereich betrachten. Dort sieht man, wie lange es gedauert hat, bis BIO in der breiten Masse angekommen ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass wenn man einmal Bioprodukte kauft, man nicht mehr zurück geht. Genau das ist auch meine Überzeugung, wenn es um Kosmetik geht. Wenn du einmal eine tolle Alternative gefunden hast, die deinen Ansprüchen entspricht und dir auch noch gut tut, dann gehst du nicht zurück zu schädlichen Inhaltsstoffen. Deshalb glaube ich auch nicht, dass das nur ein Trend ist, sondern etwas, was die Gesellschaft nachhaltig umkrempeln wird.


Und ja, es gibt einen Umbruch, allerdings erst langsam. Die großen Konzerne hatten es nämlich super lange gar nicht nötig sich über eine Alternative Gedanken zu machen, denn diese Alternative ist extrem komplex! Bei der Naturkosmetik sind wir immer abhängig von der Natur. Das heißt zum Beispiel, je mehr produziert wird, desto schwieriger wird natürlich die Verfügbarkeit dieser Naturprodukte. Auch die Produktionsprozesse sind tausendmal komplexer als bei den “Giftmischungen”.


Aber irgendwann hat die Beauty-Industrie gemerkt, dass sich etwas am Markt tut. Denn es sind viele kleine Marken wie Pilze aus dem Boden geschossen. Am Anfang waren wir natürlich keine Konkurrenten, jedoch wurden wir sehr genau beobachtet.

Wenn man einen Blick in die USA wagt, die ja immer ein paar Jahre voraus sind, dann haben die großen Konzerne vor 1-2 Jahren massive Probleme im Handel bekommen. Dort verschwinden große Marken und es entstehen immer mehr kleine Labels. Das wird langsam auch hier so passieren.


Ich habe erst neulich in der Gala eine Doppelseite gesehen, wo mit dem PETA Hasen geworben wurde “Alles ohne Tierversuche!” Ich dachte nur, was das für eine Farce ist, weil Tierversuche in Deutschland per Gesetz schon lange verboten sind. Leider werden dann so wichtige Themen für Marketingzwecke ausgenutzt. Das Positive dabei ist, dass es aber auch zeigt, dass die etablierten Marken sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Erste Produkte großer Marken werden auch zertifiziert. Da tut sich etwas und das ist gut so.


In den USA hat sich der Begriff Clean Beauty etabliert. Allerdings weiß man, dass die Auflagen in der EU ja sehr viel strenger sind als in den USA. Könntest aufklären, was Clean Beauty für uns hier in Europa ist und was das mit Naturkosmetik zu tun hat?


Der Begriff Clean Beauty kommt aus Amerika. Ein Begriff, der erschaffen wurde um naturnahe Produkte unter ein Dach zu bringen. Die amerikanischen Standards sind im Vergleich zu uns hier in Europa super niedrig. Wir haben 10 mal härtere Standards. Zulassungslisten für Inhaltsstoffe der EU, Tests bevor man launchen darf etc. Die Auflagen sind einfach nicht zu vergleichen.

Wenn Trendworte wie Clean Beauty das Bewusstsein von uns Menschen verändern und schärfen, macht mich das happy.

Man könnte jetzt sagen solche Buzzwords sind irreführend. Auf der anderen Seite ist es ein Weckruf dafür vielleicht näher hinzuschauen und aufmerksamer zu werden: Welche Inhaltsstoffe sind da drinnen, oder gibt es eine Zertifizierung?

In Deutschland haben wir den Vorteil, dass wir uns als Verbraucher an Siegeln orientieren können (z.B. BDIH, Cosmos Zertifizierung). Das kann man auch bei uns auf der Webseite wunderbar nachlesen. Ich empfehle aber auch sich mal in Clean Beauty Bereichen umzusehen und an die Produkte einfach mit Neugierde heranzugehen und auszuprobieren.


Clean Beauty als Wort schärft das Bewusstsein und ermutigt dazu sich einfach mal ganz genau damit zu beschäftigen. Dafür gibt es auch tolle Apps, wie Codecheck, die dabei helfen zu prüfen, ob, das ein tolles Produkt ist, oder man da besser aufpassen sollte.


Kannst du dich noch an den Moment erinnern als du entschieden hast UND GRETEL zu starten? Was hat dein damaliges ich über die Beauty Branche gedacht?


Ich bin ein Biokind. Meine Mutter war eine der ersten Ernährungsberaterinnen von Dr. Bruker. Bei uns gab es Vollwertkost, es wurde zu Hause alles selber gemacht. Ich kam sehr früh mit dem Thema Bewusstsein über die Ernährung in Berührung und war dadurch schon früh sensibilisiert dafür, habe auch danach gelebt und wurde so auch zu Vegetarierin.

Ich habe damals aber selbstverständlich auch diese Giftmischer Make-ups benutzt. Allerdings bei Pflegeprodukten bereits sehr früh Naturkosmetik verwendet. Das war mir schon immer wichtig bei Cremes.


Bei Make-up ging es mir früher nur um Performance. Es war mir wichtig, dass ich beim Ausgehen meinen Lippenstift nicht nachziehen musste. Also habe ich diese Art 24h Lacke mit irgendeinem Zeugs drüber getan. Das hat man fast nicht mehr abgebracht! Im Nachhinein greife ich mir natürlich auf den Kopf.

Als Christina mir von ihrer Idee erzählt hat, war ich sofort davon überzeugt. Das war so eine Idee wo man zuallererst sagt: “Das muss es doch bitte schon geben?” In dieser kompromisslosen Form wie wir es gemacht haben, gab es das allerdings wirklich noch nicht. Von da an hat bei mir eigentlich dieser Prozess begonnen genau hinzusehen. Womit schminke ich mich? Gibt es eine Alternative? Irgendwas war immer, das nicht passte. Der Geruch, die Farbe. Das liegt vor allem daran, dass die Pioniere der Naturkosmetik aus der Hautpflege kommen. Sie haben ihre Unternehmen auf dem Land und für sie ist die Antwort auf Glamour oft einfach Glitzer. Christina kam aus dem Fashion-Shooting Bereich und ich aus der Werbebranche. Unsere ästhetischen Ansprüche für unsere Naturkosmetik war daher viel urbaner und dadurch ganz anders.


Wie hat sich die Beziehung zu deiner eigenen Schönheit verändert seit du an UND GRETEL arbeitest? Bist du beeinflusst über deine Arbeit?


Auf jeden Fall und ich habe großen Spaß daran. Man geht ja auch durch gewisse Phasen. Ich werde nächstes Jahr 50. Ich kann dir sagen, da kommt noch einiges. (lacht)

Aber man wird auch gelassener. Mit zunehmendem Alter wird man sich selbst gegenüber viel persönlicher, aber trotzdem wird Kosmetik immer wichtiger. Manche sagen im Alter sollte man weniger Farbe verwenden. Ich finde das sollte man sehr individuell betrachten. Mich macht es oft einfach selbstbewusster mich zu schminken. Es gibt Tage an denen ich mich klein fühle und dann betone ich das, was ich an mir schön finde, nehme mir Zeit für mich. Und dann ist es einfach diese Wertschätzung, die mir ein gutes Gefühl gibt.


Für mich sollte dekorative Kosmetik auch anregen kreativ zu sein, eventuell mal Farben zu mischen, oder einen neuen Lippenstift-Farbton auszuprobieren. Ich bin allerdings selber sicher keine Heldin im Looks schminken und schminke mich ehrlich gesagt fast immer so wie ich mich immer schminke, sollte ja auch schnell gehen mit zwei Kindern. An manchen Tagen schminke ich mich auch gar nicht und verwöhne mich nur mit Pflege (Stichwort: sonntags am Spielplatz), aber grundsätzlich bin ich täglich geschminkt. Ein wichtiges Ritual, das mir schon immer gut getan hat, ist mich abends abzuschminken. Ich zelebriere das ca. 5-10 Minuten.


In der Beauty Industrie geht es ja viel um Äußerlichkeiten. Wie habt ihr euch mit dem Thema Selbstliebe und innere Schönheit auseinander gesetzt? Man trägt als Unternehmen ja auch sehr viel Verantwortung mit dem was man kommuniziert.


Ich finde Äußere Schönheit kommt von Innen - Richtiges Strahlen kommt immer von Innen. Du kannst dich toll schminken, aber die Strahlkraft wird verursacht durch unsere innere Schönheit, Glück, Zufriedenheit, Selbstwertgefühl.

Wir sagen immer zu unseren Kund*innen: “Nutze unsere Produkte, so wie es sich für dich gut anfühlt!” Wenn du nur Wimperntusche verwenden möchtest ist das auch schön. Wenn du aufstehst und dich stark fühlst, zieh ein knalliges Kleid an und trage roten Lippenstift. Wenn die Seele nicht mit strahlt, dann kannst du soviel Make-up draufpacken wie du willst, dann ist es eher eine oberflächliche Schönheit, die nicht mit dir im Einklang ist.


Deshalb legen wir so viel Wert auf die Inhaltsstoffe, weil das, was gut tut auch unser Selbstwertgefühl stärkt. Ein Produkt, das zum Beispiel gut riecht, gibt doch gleich ein ganz anderes Körpergefühl und eine Art Wohlbefinden.


Für mich stehen Make-up und innere Schönheit daher nicht im Widerspruch. Ich sehe das auch mit meiner 9-jährigen Tochter. Ich erkläre ihr, dass Make-up ein Tool ist, dass sie einsetzten kann, oder nicht. Klar kommt da sicher noch einiges auf sie zu. Ich möchte nicht nochmal in meine 20er, erst ab 30 habe ich das Gefühl bekommen bei mir anzukommen. Die 40er waren super, mal sehen wie es in den 50ern wird!


Im Gespräch mit


Stephanie Dettmann undGretel

Stephanie Dettmann ist eine der beiden Co-Gründerin von UND GRETEL und zweifache Mama. Nach ihrem Studium der Medien- und Kommunikationswirtschaft ist sie direkt in die klassische Werbung eingestiegen und hat Kunden wie Ferrero, SIXT und BMW betreut. 2015 hat sie zusammen mit Christina Roth UND GRETEL gegründet.


Mit UND GRETEL hat Stephanie das Ziel Bewusstsein für schädliche Inhaltsstoffe zu schärfen und die Welt mit zeitgemäßer dekorativer Kosmetik schöner zu machen. Ohne Kompromisse. Ohne Schadstoffe. Und ohne Tierversuche.

NO BAD STUFF. www.undgretel.com



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