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Isabelle Flandorfer: „Es ist nie zu spät“

vor 1 Tag
7 Min. Lesezeit
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TEXT & INTERVIEW: CHRISTINA KAISER



Isabelle Flandorfer myFinest
Isabelle Flandorfer


Es geht um mehr Klarheit, um Erfahrung, Selbstbewusstsein und auch den Mut, Dinge noch einmal ganz neu zu denken. Ganz unter dem Motto: „You are not too old and it’s not too late!“

Isabelle Flandorfer kennt die Medienwelt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Sie hat als Journalistin gearbeitet, 2013 mit Mother’s Finest einen der frühen deutschsprachigen Lifestyle- und Mamablogs gegründet und den Wandel von Print und Fernsehen hin zu Blogs, Instagram und Social Media nicht nur beobachtet, sondern selbst mitgestaltet. Heute, mit 53, ist sie wieder ganz in ihrem Element: im Gespräch mit Menschen, ihren Geschichten und den Fragen, die uns bewegen.


Mit ihrem neuen Podcast MY FINEST richtet sie den Blick besonders auf Frauen mit interessanten Lebenswegen und Perspektiven. Seit Mai 2026 hat Isabelle bereits mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten gesprochen: mit Paper Artist Nina Greif-Reitzenstein über Verbundenheit, mit Ärztin Dr. Doris Gapp über die Wechseljahre, mit Unternehmerin Alexandra Palla über Neuanfänge, mit Psychologin und Business-Coachin Vera Steinhäuser über weibliche Führung, mit TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer über Öffentlichkeit und Karriere, mit Paartherapeutin Sandra Teml-Wall über Beziehungen und persönliche Entwicklung sowie mit Silvia Gattin über Energie und Veränderung. In der jüngsten Folge waren dann auch wir zu Gast und sprachen mit Isabelle über Female Empowerment, weibliche Netzwerke und die Kraft von Kooperation.



Isabelle Flandorfer myFinest
Isabelle Flandorfer | Quelle: @myfinest

Was all diese Gespräche verbindet, ist weniger ein bestimmtes Alter als eine Haltung: die Bereitschaft, das eigene Leben immer wieder neu zu betrachten. Isabelle möchte keine perfekten Lebensentwürfe präsentieren und auch keine Antworten liefern, die für alle gelten. Sie interessiert sich für Menschen und für das, was sichtbar wird, wenn man ihnen Zeit und Raum gibt. So beschreibt sie selbst ihre Motivation: In jedem Gespräch könne sie etwas Neues lernen – und oft erfahre sie mehr über einen Menschen, als sie erwartet habe.


Wir haben deshalb mit Isabelle nicht nur über ihren Weg durch die Medien gesprochen. Sondern über Öffentlichkeit und Authentizität, über unseren Umgang mit Social Media und die Frage, warum uns das Leben anderer Menschen so fasziniert. Darüber, was sich im Bild von Frauen in der Lebensmitte gerade verändert – und was sich gesellschaftlich noch verändern muss. Und natürlich darüber, was passiert, wenn man mit 50 beginnt, sich selbst noch einmal neue Fragen zu stellen.


Isabelle, wenn man dich schon so lange öffentlich erlebt, könnte man glauben, man kennt dich ziemlich gut. Gibt es einen Unterschied zwischen der Person, die man öffentlich erzählt, und der Person, die man tatsächlich ist?


Was meine Follower:Innen von mir sehen, hören und lesen, ist alles echt und zu 100 Prozent ich. Sicherlich sehen sie aber auch nicht alles von mir. Ich muss nicht alles, was mich ausmacht, was ich erlebe, denke und fühle, veröffentlichen. Ich denke, das wird auch gar nicht erwartet. Wenn ich aber etwas von mir teile und erzähle, kann man sicher sein, dass es keine Show ist, sondern mein wahres Ich.


Isabelle Flandorfer myFinest
Aus dem Instagram Feed von Isabelle @myfinest

Was interessiert dich an Menschen, das dich nach all den Jahren des Interviewens noch immer neugierig macht?


Menschen sind per se spannend! Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen, hat gelebt, Erfahrungen gesammelt, ist Expertin oder Experte auf seinem oder ihrem Gebiet, kann inspirieren, motivieren und Mut machen. Ich erfahre in allen Gesprächen oft viel mehr von einer Person, als ich angenommen habe oder zu wissen geglaubt habe. Und genau das liebe ich am Interviewen so: Ich kann jedes Mal etwas Neues lernen, und das macht für mich jedes Gespräch immer wieder spannend.


Du interviewst inzwischen selbst sehr viele Frauen. Was fasziniert dich an guten Gesprächen – und woran merkst du, dass ein Gespräch richtig interessant wird?


Ein Gespräch muss sich immer erst entwickeln, es braucht ein bisschen Zeit, bis es Fahrt aufnimmt. Es ist mir wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem sich meine Gesprächspartner wohlfühlen. Ich bin keine Investigativjournalistin und möchte meine Gäste nicht „aufblattln“, wie man so schön sagt, oder knallhart nachfragen. Ich möchte eine Atmosphäre schaffen, in der es leichtfällt, sich zu öffnen. Interessant wird es dann, wenn es locker wird und man etwas erfährt, mit dem man gar nicht gerechnet hat.



Podcastaufnahmen mit Moderatorin Arabella Kiesbauer und Unternehmerin Alexandra Palla



Du warst sehr früh eine öffentliche Stimme im Internet und hast mehrere Mediengenerationen miterlebt. Was glaubst du heute über Öffentlichkeit zu wissen, das du mit 25 noch nicht wusstest?


Als ich 25 war, das war im Jahr 1998, gab es noch gar kein Social Media. Alles, was ich über Öffentlichkeit wusste, hatte damals mit Printmedien oder der TV-Landschaft zu tun. Das Internet steckte in den Kinderschuhen. Da hat sich seitdem unglaublich viel getan, und die Medienlandschaft ist über die Jahre eine komplett andere geworden. Somit weiß ich jetzt mit 53 natürlich viel mehr als mit 25. Der größte Unterschied zu früher ist sicherlich, dass man es heute selbst in der Hand hat, durch Social Media und das Internet seine eigene Geschichte zu erzählen und sich zu veröffentlichen. Man benötigt dafür nicht mehr so wie früher die herkömmlichen Medien und die Öffentlichkeit, die diese schaffen.


Das echte Leben mit unverwechselbaren Momenten, die nicht gepostet werden, ist das, was zählt, und das dürfen wir nie vergessen.

Was haben wir durch Social Media über uns selbst gelernt – und was haben wir vielleicht verlernt?


Ich glaube, Social Media hat uns sehr viel über uns selbst gezeigt, positiv wie negativ.

Wir haben gelernt, dass wir eine Stimme haben, die wir sehr einfach in die Welt hinaustragen können. Wir können uns verbinden, austauschen und im besten Fall inspirieren. Es hat uns aber auch gezeigt, wie sehr wir nach Bestätigung und Anerkennung suchen, uns mit anderen vergleichen und uns so selbst auch immer wieder ein Stück weit verlieren können. Wir sollten daher nicht verlernen, uns treu zu bleiben, auf unser Bauchgefühl zu hören und unseren eigenen Weg zu gehen. Social Media ist immer nur ein Ausschnitt, und wir dürfen es nicht mit dem echten Leben verwechseln. Sich darin zu verlieren, kann zum Problem werden. Das echte Leben mit unverwechselbaren Momenten, die nicht gepostet werden, ist das, was zählt, und das dürfen wir nie vergessen.


Warum interessiert uns das Leben anderer Menschen eigentlich so sehr? Und was suchen wir, wenn wir ihnen in Podcasts, Magazinen oder sozialen Medien zuhören und zuschauen?


Ich glaube, wir suchen immer ein bisschen von uns selbst. Wir wollen wissen: Wie leben andere? Fühlen sie ähnlich? Bin ich mit meinen Fragen und Unsicherheiten allein? Gerade in der Lebensmitte finde ich das spannend. Da suchen wir, denke ich, mittlerweile weniger perfekte Vorbilder als Orientierung, Inspiration und dieses Gefühl von „Ich bin nicht allein“ und „Wir sitzen im selben Boot“.


Wir sollten Lebenserfahrung, Klarheit, Gelassenheit und Freiheit, die mit dem Älterwerden einhergehen, viel stärker wertschätzen.

Über junge Frauen wird sehr viel gesprochen – über ihre Körper, ihre Karrieren, ihre Beziehungen, ihre Vereinbarkeit. Was wird über Frauen mit 40, 50 oder 60 gesellschaftlich noch immer zu wenig erzählt?


Ich finde, es wandelt sich gerade stark, und Frauen um die 40, 50 und 60 rücken immer stärker in die Öffentlichkeit und sind mittlerweile hier viel präsenter als früher. Schönheitsideale werden diskutiert und hinterfragt, natürliches Altern ist ein Riesenthema geworden, und es wird laut darüber gesprochen, sich in der Lebensmitte so anzunehmen, wie man ist, ohne permanent etwas optimieren zu müssen. Es darf aber nicht nur um Äußerlichkeiten gehen. Ich wünsche mir, dass Frauen in der Lebensmitte nicht als „älter werdende Frauen“ erzählt werden, sondern als Frauen, die mitten im Leben stehen und oft gerade erst richtig anfangen. Es geht um mehr Klarheit, um Erfahrung, Selbstbewusstsein und auch den Mut, Dinge noch einmal ganz neu zu denken. Ganz unter dem Motto: „You are not too old and it’s not too late!“


Deine Generation von Frauen hat sehr lange gelernt, leistungsfähig, attraktiv, verlässlich und möglichst gut organisiert zu sein. Was glaubst du, dürfen Frauen heute mit 50, 60 oder 70 ganz bewusst verlernen?


Ich denke, wir sollten es schon viel früher als mit 50 ablegen, uns für alle anderen aufzuopfern. Die Wechseljahre waren für mich persönlich der Wake-up-Call. Da bemerke ich jetzt endlich, dass ich nicht mehr alles tragen kann und vor allem auch nicht mehr will. Wenn sich eine Frau viele Jahre um alles gekümmert und sich dabei selbst vernachlässigt hat, sollte sie ganz bewusst lernen, auf sich zu schauen, in sich hineinzuhören und sich fragen: Wer bin ich und was will ich? Was will ich nicht mehr, und wie möchte ich meine Zukunft vielleicht auch neugestalten? Es ist nie zu spät!

Ich sehe aber eine Generation junger Frauen nachkommen, die genau weiß, was sie will, die ihre Rechte einfordert und von vornherein nicht alles tragen möchte. Das finde ich toll!


Mit der Lebensmitte verändert sich ja nicht nur der Körper, sondern oft auch der innere Maßstab. Was ist für dich heute wichtiger geworden – und was erstaunlich unwichtiger?


Es ist für mich unwichtig geworden, was andere über mich denken. Früher wollte ich vieles richtig machen und Erwartungen erfüllen. Heute frage ich mich viel öfter: Tut mir das gut? Will ich das wirklich? Meine Werte sind mir wichtig, mein engeres Umfeld, die Menschen, mit denen ich mich umgebe, und die Energie, die ich dabei wahrnehme. Ich will authentisch ich selbst sein. Als ich jünger war, habe ich mich noch mehr untergeordnet. Jetzt nehme ich mich selbst viel wichtiger als früher. Ich kümmere mich mehr um mich und stelle mich nicht mehr automatisch an letzte Stelle, nur damit es allen anderen gut geht.




Im Mai 2025 hat Isabelle Flandorfer einen Neustart gewagt und MothersFinest in die myFinest Community umgewandelt.



Wenn du unsere Gesellschaft aus der Perspektive einer Frau in der Lebensmitte betrachtest: Worüber sollten wir dringend anders denken?


Älterwerden ist kein Makel, den man verstecken oder möglichst schnell beheben sollte, ganz im Gegenteil, denn es bringt eine ganz besondere Qualität mit sich. Wir sollten Lebenserfahrung, Klarheit, Gelassenheit und Freiheit, die damit einhergehen, viel stärker wertschätzen. Und wir sollten den Austausch zwischen den Generationen stärken. Denn wenn wir unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven miteinander verbinden, können alle davon profitieren.


Gibt es eine Frage, die dich selbst gerade beschäftigt und auf die du noch keine Antwort hast?


Ich sehe das Leben als eine ewige Reise, auf der sich vieles unterwegs ergibt. Es ist ein ständiger Wandel, und immer wieder spült es dir etwas Neues vor die Füße, auf das du dich einlassen darfst oder auch einstellen musst. Deshalb finde ich es oft müßig, sich zu viele Gedanken darüber zu machen, was irgendwann einmal kommen wird.

Gleichzeitig denke ich immer wieder darüber nach, wie ich mein Leben gestalten möchte, wenn alle Kinder aus dem Haus sind. Da stellen sich die Fragen: Was möchte ich noch erleben? Wie möchte ich leben? Was möchte ich vielleicht noch ausprobieren? Und ehrlich gesagt freue ich mich darauf und bin neugierig auf diese nächste, wieder ganz neue Zeit in meinem Leben.




Du findest Isabelles Podcast auf Spotify

Substack isabelleflandorfer1.substack.com und Instagram @myfinest_community



Wenn du unser Gespräch mit Isabelle anhören möchtest:




 
 

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