Blumen sind Divas

von Christina Kaiser

Woher nimmst Du deine Kraft und erdest Dich? In einem persönlichen Gespräch über ihre Inspiration, ihre Lieblingsblumen und deren Einzigartigkeit gab uns Blumenstylistin, Autorin und Innenarchitektin Willow Crossley wertvolle Einblicke, wie die Natur uns Ausgleich bringen kann.


Willow Crossley in ihrem Natur Studio mit Blumen in England

In ihrem Atelier in den sanften Hügeln der Cotswolds, einer südenglischen Bilderbuchlandschaft, verbringt Willow Crossley ihre Tage damit, erfrischend entspannte Blumenarrangements zu entwerfen.


Ich habe mich einfach in Blumen verliebt...

In ihrer Kindheit träumte Willow Crossley davon Modedesignerin zu werden und verbrachte Stunden damit, sich Outfits auszudenken. Im Herzen kreativ, war es der Prozess etwas zu Erschaffen, der sie immer schon begeisterte. Sie begann ihre Karriere als Journalistin und als sie ihr zweites Buch "Inspire" schrieb, wurde ihr klar, dass sie eine Karriere mit Blumen verfolgen wollte. Sie schrieb sich an der Covent Garden Academy of Flowers ein und blickte nie wieder zurück.

Crossley hat von der Arbeit mit der Natur gelernt, die einfachen Dinge im Leben zu schätzen: Eine Tasse Tee gleich nach dem Aufstehen, ein ausgedehnter Spaziergang mit ihrer Familie, ein Glas Rotwein oder ein entspannendes Bad vor dem Schlafengehen. Und natürlich die wunderschönen Blüten, die sie jeden Tag umgeben. Wenn sie jetzt auf den Märkten unterwegs wäre, würde sie mit riesen Sträußen von Salomonsiegel, Tulpen, Dicentra, Fingerhüten und Maiglöckchen nach Hause kommen.


Was findest Du an Blumen so inspirierend?

Das ist sehr einfach zu beantworten. Ich bin von ihrer Schönheit fasziniert. Ich liebe ihre Zartheit, die Farben und die hauchdünnen Blütenblätter. Ich liebe es, wie keine der anderen gleicht.

Als ich ein Kind war, war ich ständig von Blumen umgeben. Meine Großmütter sowohl als auch meine Mutter waren und sind verrückt nach Blumen & Gartenarbeit.



Du sagst immer, dass Du es liebst zu erschaffen, zu kreieren. Was motiviert dich dazu?

Ich glaube, etwas entstehen zu lassen ist eine Form, ein Ausdruck unserer Gefühlswelt und es ist gleichzeitig die Möglichkeit, den Rest der Welt auszublenden, im Hier und Jetzt zu sein, vor allem, wenn einem alles zu viel vorkommt. Es ist die Zeit, um abzuschalten und bei sich zu sein.


Du hast bereits vier Bücher geschrieben. Dein neuestes Buch "The Wild Journal" spricht genau dieses Thema an. Möchtest Du uns etwas mehr darüber erzählen?

Kurz gesagt, es geht darum, wie wir mit der Natur für uns selbst sorgen können. Ich habe es im Laufe eines Jahres geschrieben und es ist voller Ideen, Rezepte und Projekte, die zeigen, wie heilsam, transformativ und kraftvoll die Natur für uns sein kann - geistig, körperlich und emotional. Ich teile dabei kreative Techniken und Ideen wie man Natur in unsere tägliche Routine integrieren kann.


Das klingt wie der perfekte Job, hast Du auch Stressmomente oder Selbstzweifel bei deiner Arbeit?

Ständig! (lacht) Vor jedem Event gerate ich in Panik, dass alles total schiefgehen wird. Ich arbeite ja mit der Natur und viele der Blumen sind richtige Divas. Sie tendieren dazu ihren Kopf hängen zu lassen aus keinem logischen Grund. Das kann sehr frustrierend sein. Das erste Arrangement kann daher oft ein richtiges Desaster sein.


Deine Arbeit klingt sehr abwechslungsreich. Bist Du jemand, der sich schnell langweilt?

Oh ja, mir wird sehr schnell langweilig! Zu Hause bewege ich ständig Dinge - Tische, Betten, Gemälde, Sofas. Ich mache das schon seit meiner Kindheit. Ich liebe es außerdem, wie die Jahreszeiten mir alle paar Wochen neue Blumensorten geben, da kommt nie Langeweile auf! Allerdings wünschte ich, dass die Tulpen- und Dahliensaison für immer andauert.


Nun natürlich die Frage, die Du sicher ständig hörst. Was ist deine Lieblingsblume?

Salomonsiegel. Sie ist einfach absolut magisch. Ich liebe die kleinen weißen Glocken, die cremig grüne Farbe, den hohen gewölbten Stiel. Und die Tatsache, dass sie nur für ein paar Wochen im Jahr da ist, macht sie zu etwas ganz Besonderen.


Blumen sind ja ein sehr beliebtes Geschenk. Hast Du einen Tipp, wie man Blumen am besten schenkt?

Ich denke, Arrangements, die selbst zusammengestellt wurden, sind weitaus bedeutungsvoller und persönlicher als ein vorgefertigtes Bouquet. Pflanzen, wie zum Beispiel ein Rosenstock, sind auch ein tolles Geschenk, da sie so lange halten. Aber ganz ehrlich, was gibt es Schöneres als einen riesigen Strauß lokaler Blumen der Saison (z.B Pfingstrosen), arrangiert in einer wunderschönen Vase?


Hast Du für uns noch einen ultimativen Rat?

Investiere in eine gute, geschärfte Blumenschere (Secateur). Wenn es möglich ist, kaufe saisonale Blumen aus Deiner Region und ganz wichtig: Wähle die richtige Vase! Oft kommen Blumen deshalb nicht zur Geltung, weil die Vase nichts hermacht oder einfach die Proportion nicht stimmt.


Oh ja, Vasen! Meistens hat man zu viele, aber doch nicht die richtige. Wo kaufst du am liebsten deine Vasen?

Flohmärkte. Ich liebe den Nervenkitzel, tolle Stücke für ein totales Schnäppchen zu finden. Für Vasen verwende ich sehr gerne Teekannen, Zuckerdosen, Reagenzgläser, hübsche Olivenölfässer, Blechdosen, alte Töpfe ... die Möglichkeiten sind endlos. Bei wasserundichten Behältern kann man ein kleines Marmeladenglas oder einen Joghurtbecher hineinstellen.