Mode nach der Pandemie: Wie kleiden wir uns nach dem Lockdown?

von Yvonne Willms

Maske tragen und der tägliche Spaziergang – die Corona-Pandemie hat nicht nur den Alltag, sondern auch unser Kleidungsverhalten verändert. Dabei ist klar: Mode in Zeiten der Pandemie ist funktioneller geworden. Wir haben unsere High Heels gegen Hauspantoffeln eingetauscht; Der smarte Businesslook wurde durch praktische Outdoor-Bekleidung und einer Wohlfühlgarderobe für die Zeit zu Hause ersetzt. Immer mit dabei: eine bequeme Jogginghose, die zum modischen Inbegriff der Corona-Pandemie geworden ist.


schwarze High heels Mode nach der Pandemie myGiulia

Wir haben uns gefragt: Wie hat der Lockdown unser Modebewusstsein verändert? Wie wird die Mode nach der Pandemie aussehen? Wir haben uns dabei den Status Quo der aktuellen Fashion-Trends genauer angeschaut und außerdem werfen wir einen Blick auf die spannenden Zukunftsaussichten unseres Kleidungsverhalten nach der Pandemie – inklusive jeder Menge Inspiration fürs eigene Styling.


Slow Fashion und Home Office: Mode in Zeiten der Pandemie


Über ein Jahr ist es nun her, dass die Welt in den Lockdown ging. Mit der Umstellung auf das Leben mit der Pandemie kamen Fragen auf wie: Wie nutze ich die freie Zeit sinnvoll? Viele Menschen nahmen sich bewusst Augenblicke der Achtsamkeit. Der hektische Alltag vor Corona wurde mehr und mehr in Frage gestellt – auch in modischer Hinsicht. So ist die Entschleunigung auch in den Kleiderschränken angekommen. Zum einen, weil wir durch das vermehrte Zuhause sein weniger Kleidung benötigen. Zum anderen, weil unser Alltag ein neues Kleidungsverhalten hervorbringt.


Während sich die Modebranche also nicht nur mit einer veränderten Nachfrage nach bestimmten Kleidungsstücken auseinandersetzt, rücken auch Themen wie Überproduktion und Nachhaltigkeit deutlicher in den Vordergrund. Bereits vor der Pandemie kritisierten Designer*innen die Vielzahl an Kollektionen pro Saison. Die Folgen: Zeitdruck und Überforderung durch ständig wechselnde Trends. So bringt die Coronakrise in modischer Hinsicht auch etwas Positives mit sich. Denn nun ist plötzlich ausreichend Zeit für Kreativität und auch, um den eigenen Kleiderkonsum bewusst in Frage zu stellen.


Mehr Funktionalität: neue Modetrends durch Corona


Bereits seit über einem Jahr leben wir mit Abstandsregeln und eingeschränktem Konsumverhalten. Völlig neue Modetrends sind durch die Corona-Pandemie entstanden. Kein Label sah voraus, dass Jogginghose und Co. unser neues Leben von nun an begleiten werden. Stieg zum einen die Nachfrage nach bequemer und schicker Loungewear dank Home Office und Quarantäne. So veränderten sich zum anderen auch die Ansprüche an unsere Outdoor-Garderobe. Denn der tägliche Spaziergang und die vermehrte Zeit im Freien verlangen nach Funktionalität.


Trends, wie das sogenannte Cornern und Bridgen, also das Abhängen unter freiem Himmel, werden inzwischen von vielen Modeunternehmen aufgegriffen. Kleidungsstücke wie Parkas, weite Trenchcoats und Steppjacken oder -westen rücken in den Fokus. Legere Schnitte und warme Materialien ermöglichen einen längeren Aufenthalt im Freien. Dazu kombiniert werden Cashmere-Sweater und locker geschnittene Blusen aus Popeline, die sowohl draußen als auch im Home Office funktionieren. In Zeiten, in den wir Freund*innen und Familie nur noch Outdoor treffen, passen sich die Modetrends den neuen Lebensgewohnheiten an – und nicht umgekehrt.


Mode nach einer Krise: Wie der New Look die Nachkriegszeit veränderte


Werfen wir doch mal einen Blick auf die modischen Ereignisse nach dem zweiten Weltkrieg. Wie hat die modische Transformation damals ausgesehen? In einem viel deutlicheren Ausmaß als heute war die Mode sehr funktionell, denn Stoffknappheit und Armut waren die beiden Extreme, die den damaligen Kleidungsstil maßgeblich beeinflussten.

Der Designer Christian Dior war es, der 1947 die modische Nachkriegszeit einläutete. Mit einem Kostüm aus weit schwingendem, midi-langem Rock und taillierter, schmaler Jacke mit überschnittener Schulter, gab der französische Designer den Frauen die Lust auf Mode zurück. Der New Look wurde weltweit zum Trend. Christian Dior erkannte, dass nach Zeiten der Entbehrung ein Kleidungsstil gefragt war, der die Sehnsucht nach Opulenz stillte.

Auch viele weitere Krisen brachten modische Trends hervor, die bis heute anhalten. Locker fallende Empire-Kleider lösten das strenge Korsett nach der Französischen Revolution ab. Ebenso trug der erste Weltkrieg dazu bei, dass Frauen vermehrt Rock gegen Hose eintauschten. Der Designer Raf Simmons, bekannt für sein Spiel mit Mustermix und verschiedenen Materialien und Farben, vergleicht die Post-Coronakrise mit den goldenen Zwanzigern. Einer Zeit, in der opulente Mode auf Lebensfreude traf. Wir sind gespannt, welche tollen Mode-Trends uns das Ende der Coronakrise bescheren wird.


Ende der Pandemie: Modische Übergangsphase in die neue Normalität


Die ersten Freiheiten nach dem Lockdown sind langsam spürbar. Die Sehnsucht nach einer Vor-Corona-Zeit ist groß. Doch eins ist klar: Veränderung braucht Zeit. Durchschnittlich braucht der Mensch bis zu zwei Monate, um sich an neue Umstände zu gewöhnen. Denn wir werden weiterhin mit der Pandemie und wenigen Einschränkungen leben. Doch wie wird genau dieser Übergang in ein Leben nach der Krise modisch aussehen? Besser gesagt: Wie schaffen wir es von der Jogginghose zurück in unsere High Heels? Was, wenn wir den Glamour nach und nach in unseren Alltag zurückholen?


Schritt für Schritt werden wir nicht nur eine seelische, sondern auch modische Transformation in Richtung neue Normalität erleben. Ob beim ersten Besuch einer Ausstellung oder des Lieblingscafés. Glamour und Unbeschwertheit werden in unser Leben zurückkommen. Betrachten wir genau diese Zeit als Neuorientierungsphase für den eigenen Stil.

Viele von uns möchten schließlich nicht nur stark aus der Krise kommen, sondern auch modisch. Was das Ganze so spannend macht: Genau so wie das Leben, lebt auch die Mode von Kontrasten und Gegensätzen. So schließen sich also Jogginghose und High Heels nicht zwangsläufig aus, sondern lassen sich auch prima miteinander kombinieren.


Mode-Trends 2021 für die Zeit nach der Pandemie


Mode Design Skizze Kleider nach der Pandemie myGiulia

Wann kommt der Glamour zurück? Auch die großen Mode-Labels beschäftigen sich mit dieser Frage. Während Funktionalität bei den Kollektionen Frühjahr/Sommer 2021 weiterhin im Fokus stehen, sind auf den Laufstegen auch sehr opulente und extravagante Designs zu sehen. Kollektionen, die an eine Traumwelt erinnern und unsere Sehnsüchte entfachen. Voluminöse Silhouetten mit Transparenz, viel Drama, Glitzer und Pailletten machen Lust auf ausschweifende Partynächte. Ultraglamourös sind auch romantische Slipdresses mit Spitze und Kleider mit eleganten Drapierungen.


Neben den vielen opulenten Kreationen zieht sich auch das Thema Upcycling als wichtiger Aspekt durch die Kollektionen. Aus Alt mach Neu: viele Labels kreierten aus Stoffresten oder alten Kollektionen völlig neue Outfits. Nicht nur auf Grund von Beschaffungsproblemen der Materialien wurden die Designer*innen erfindungsreich. Dabei zu sehen: Mustermix, Layering und fischnetzartige Stoffe, die Taschen und schlichten Baumwollkleidern eine völlig neue Optik verleihen. So wurde aus der Not nicht nur eine Tugend, sondern auch ein wichtiges Statement im Sinne der Nachhaltigkeit gesetzt. Zusätzlich haben in dieser Krisenzeit viele nachhaltige Modelabels großen Zuspruch erfahren, von deren Designs wir uns selbstverständlich weiterhin inspirieren lassen können.




Funktionalität vs. Opulenz: Welcher Modetrend macht das Rennen?


Trendforscher*innen gehen davon aus, dass wir uns zwar weiterhin leger kleiden werden, aber dass ein Trend hinzukommen wird: die Eleganz. Minimalismus und opulenter Glamour stehen sich dementsprechend als zwei zukunftsweisende Mode-Trends gegenüber. Ein reduzierter minimalistischer Stil mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Opulenz mit Hang zur modischen Dramatik und Eleganz. Doch dabei müssen wir uns gar nicht für einen von beiden Trends entscheiden, sondern können beide modischen Richtungen in den eigenen Stil integrieren.


Doch wie genau können wir als modebegeisterte Verbraucher*innen diese Trends in unseren neuen Alltag übernehmen? Unser Gedanke dazu: Die Vielfalt der unterschiedlichen Kollektionen laden dazu ein, den eigenen Stil einmal neu zu entdecken. Nehmen wir diese Zeit also ruhig als eine Quelle unserer Inspiration. Schließlich hat uns die Coronakrise gezeigt, wie wichtig es ist, sich selbst ein gutes Gefühl zu geben. Genau das sollten wir auch in unserem Kleidungsverhalten beibehalten.


Styling-Ideen für den Post-Lockdown


Das Tolle: Gutes Aussehen und Wohlfühlen schließen sich noch lange nicht aus. Ein Mix aus legeren und extravaganten Kleidungsstücken, die den Glamour ins Outfit zurückholen, ist daher perfekt, um den eigenen Stil zu verfeinern. Elegante Accessoires machen eine Loungewear-Kombination ausgehtauglich. Ein Cashmere-Sweater ist ein toller Kontrast zur gemusterten Seidenhose oder einem extravaganten Slipdress. Ebenso funktioniert eine schicke Bluse zur lässigen Jogginghose. Auch eine Idee: Mit den Farben spielen und so neue außergewöhnliche Looks erzeugen. Denn genau dabei geht es in dieser spannenden Zeit: Sich auf Neues einzulassen.


Und in Sachen Nachhaltigkeit? Auch hier bieten die diesjährigen Trends Anlass zur umweltbewussten Inspiration. Denn nicht immer muss in neue Kleidungsstücke investiert werden, um Abwechslung in den Stil zu bringen. Es lohnt sich ebenso den eigenen Kleiderschrank einmal neu zu entdecken. Ungewöhnliche Drapierungen lassen ein Outfit immer wieder neu erscheinen. Diese Idee funktioniert beispielsweise prima mit einer Bluse im Oversize-Schnitt. Weiterer Tipp für den Kleiderschrank-Check: das Upcycling ausrangierter Kleidungsstücke. Kleidung, die nicht mehr gefällt oder passt, wird einfach im Schneideratelier in die moderne Post-Coronazeit übertragen.


Mode nach der Pandemie: Neuorientierung des eigenen Stils


Nachhaltigkeit, Entschleunigung und bewusster Konsum – für die Mode nach der Pandemie lassen sich viele Dinge mit in die neue Normalität nehmen. Viele aktuelle und künftige Mode-Trends bieten außerdem ausreichend Anlass zur Inspiration. Lassen wir uns überraschen, ob die High Heels schon bald die Jogginghose als modisches Merkmal der aktuellen Zeit ablösen werden. Wir wünschen Dir viel Freude beim Neuentdecken des eigenen Stils.


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Styleideen Sommer 2021


blaue Hose Emile & Ida
Top Sezane ecru
Stella McCartney jumpsuit seide
Flattered Sandale schwarz
Ulla JOhnson Jogginghose
Soko Maxi Ohrringe gold

Unsere Autorin


Yvonne Willms ist studierte Modejournalistin. Als Texterin im Online Marketing arbeitete sie bereits für diverse Marken im Bereich Fashion, Living und Lifestyle. Auf ihrem Instagram-Account ermutigt sie dazu bewusster mit Kleidung umzugehen, ohne dabei auf den Spaß an der Mode verzichten zu müssen. Künftig möchte Yvonne als Stilberaterin Menschen dabei unterstützen Fehlkäufe zu vermeiden und den eigenen Stil zu finden. Instagram